|
Die Macht der Marke
Was wir in Bezug auf die Gewichtigkeit von Marke versus Preis immer
schon ahnten, ist nun also statistisch belegt. Die aktuelle Verbrauchs-
und Medienanalyse 2001 (VuMA) brachte es ans Tageslicht: hinsichtlich
Kaufentscheidung scheint zunächst einmal der Preis entscheidendes
Kriterium zu sein. Denn 57 % der knapp 12.550 Befragten gaben an, in
insgesamt 50 verschiedenen Produktbereichen eher auf den Preis zu
achten. Jeder Dritte hingegen bezeichnete sich als "Markenkäufer"
- immerhin 37 % des Befragungspanels.
Anders jedoch bei Käufern mit spezifischem Produktinteresse. Hier
achten 59 % auf die Marke, der Preis spielt nur für jeden Dritten (39
%) eine relevante Rolle. Demnach wählt der Verbraucher bevorzugt
Markennamen, wenn er sein Kaufbedürfnis für sich definiert hat. Anders
bei Spontankäufen. In diesen Fällen wird die Entscheidung abhängig
vom Preis gefällt. (Die VuMA 2001 basiert auf 12.447 Interviews, die in
zwei Wellen im Herbst 2000 und Frühjahr 2001 durchgeführt wurden.)
Wann und warum greift der Produktinteressierte zur Marke?
Diese Frage führt uns zu einem kleinen Exkurs in die Mythenwelt der
Marke.
Mit einer Marke werden vom Verbraucher automatisch Informationen
assoziiert, die über Glaubwürdigkeit und Authentizität verfügen. Ein
Prozeß, der sich erst über einen langen Zeitraum hinweg erfolgreich
etablieren kann. Denn alle Äußerungen rund um diese Marke müssen
nachvollziehbar sein. Um das dauerhaft zu gewährleisten, müssen sie
sich konstant den gegebenen Marktveränderungen anpassen. Dies ist zwar
ein Spagat zwischen Dynamik und Identität, doch ein guter Markenmanager
weiß, wie er kommunikativ auf Umweltveränderungen zu reagieren hat.
Seien Sie ständig andres, ohne sich selbst zu verraten.
Das Geheimnis des Marketing liegt in der Authentizität. Bei allen
"Marktanpassungen" muß immer auch die Brücke zurück zum
eigentlichen Image geschlagen werden. Das ist nicht einfach, aber es
gelingt. Erfolgsmeldungen wie "Coca Cola ist wertvollste Marke der
Welt" (horizont.net vom 30. Juli 2001) beweisen, wie stark sich ein
Markenimage entwickeln und sich monetär auswirken kann.
Doch bis dahin ist es ein weiter Weg. Damit eine Marke - dem Idealfall
entsprechend - eine "psychologische Monopolstellung" einnehmen
kann, müssen Zeit, Ausdauer, ein klares Profil und ein klares Angebot
und verschiedene Kommunikationsmethoden eingesetzt werden.
Lassen Sie Ihre Marke Aufsehen erregen!
Marken-Kommunikation funktioniert heute nur noch als Netzwerk vielfältiger
und subtiler Aktivitäten. Werbung, Presse-Arbeit, Direkt-Marketing,
etc. alleine reichen nicht aus. Nehmen wir statt dessen Beispiele aus
der Praxis: Sponsoring und Events.
Anläßlich der diesjährigen Tendence vom 24. - 28. August 2001
verleiht die Design-Firma Troika z.B. erstmalig den "Troika junior
design award" und WMF veranstaltet in Kooperation mit der Bauer
Verlagsgruppe den "Grand Prix der Freizeitköche" mit Johann
Lafer. Oder denken Sie nur an die Aktionstage der Porzellan Manufaktur
Meissen.
Machen Sie ich bewußt: Der Handel profitiert von starken Marken und
starke Marken profitieren von funktionierenden Handelsstrukturen. Eine
Marke machen Sie nur mit, nie gegen den Handel erfolgreich.
Aus diesem Grunde sollte sie flächendeckend erhältlich sein. Zeigen
Sie Aktualität und Präsenz und steigern Sie damit den
Bekanntheitsgrad!
Neben dem Handel als klassischer Vertriebskanal sollten die Neuen Medien
und der persönliche Dialog mit dem Verbraucher genauso in die Strategie
mit einbezogen werden.
Holen Sie sich Feedback
Den Verbraucher in die Produkt(weiter)entwicklung oder Markenbotschaft
zu integrieren, ist schon längst kein Geheimnis mehr. Dennoch: Wer
macht es wirklich?
Hand aufs Herz! Wenn Sie diese Frage nicht positiv für sich beantworten
können, dann sollte Sie ab heute folgende Determinanten Ihrer
Zielgruppe interessieren:
Segmente
Bedürfnisse
Verhaltensmuster
Werthaltungen
Absehbare Entwicklungen in den nächsten Jahren.
Denn abhängig von Ihrer Zielgruppe sollte auch die Markenbotschaft
formuliert werden, die trotz Marktveränderung im Kern die gleiche
bleibt. Sie spiegelt Ihr Image wider, das sich aus dem Wert des
Produktes bzw. der Kaufkraft Ihrer Zielgruppe, den zu weckenden
Emotionen und Ihrem Unternehmensauftritt zusammensetzt.
Fest steht: Ein konsequentes Markenmanagement kann Meinungen
beeinflussen und Emotionen wecken. Dazu muß die Marke über Persönlichkeit
verfügen und in der Lage sein, eine Welt zu vermitteln. Achten Sie auf
die Vermittlung kontinuierlicher Sympathie in Zusammenhang mit Ihrer
Marke. Erst durch eine integrierte Markenführung, kann der größtmögliche
Nutzen aus dem Marken- und Produktkomplex gezogen werden, um sich am
Markt Gehör zu verschaffen.
Die Evolution der Marken.
Klar, der Wettbewerb schläft nicht. Vorsprung erhalten Sie nur durch
Innovationen und viel Aufsehen! Die Inflation der Marken, wie wir sie in
den letzten Jahren erleben, wird jedoch dazu führen, daß die starken
überleben und die schwachen verschwinden.
Und was tun, wenn sich die Zielgruppe gegen die Macht der Supermarke
wehrt?
Dazu abschließend noch ein amüsanter Krisenfall aus der Praxis. Ende
der 90er Jahre versuchte sich die konsumstarke jüngere Generationen
gegen die Ubiquität der großen Marken zu wehren. Die Folge eines neuen
Freiheitsdranges.
Doch die Reaktion der Konsum- und Bekleidungsindustrie konterkarierten
diese soziologische Veränderung schon fast wieder, indem namhafte
Hersteller einfach Submarken entwarfen. Mit neuen Labels ausstaffiert
gingen die "jungen Wilden" am Ende zufrieden ihren Weg und die
Markenhersteller hatten gleichermaßen verdient.
Autorin: Claudia Goldberg M.A.
powered by nmedia
© Messe Frankfurt 2001
Ludwig-Erhard-Anlage 1
60327 Frankfurt am Main
Telefon +49 69 75 75-0
Telefax +49 69 75 75-64 33
|