Erfinderparty Bad Salzig 08.09.2001

..von der Idee zur marktreifen Erfindung von Cornelia Preidl
Rhein Hunsrück Zeitung vom 12.09.01

Eine Brücke zu bauen zwischen Erfindern und Unternehmen, das war das Ziel der ersten Erfinderparty in Boppard- Bad Salzig.

Boppard- Bad Salzig. Mehr als 70 Erfinder und Unternehmer waren der Einladung von Werner Franzer aus dem INSTI-Erfinderclub Deutsches Eck Koblenz gefolgt, um zu diskutieren, Gedanken auszutauschen und neue Kontakte zu knüpfen. Natürlich gab es auch viele Erfindungen live zu sehen.

Die Idee für die meisten Erfindungen kommen im Alltag. "Man muss einfach mit offenen Augen herumlaufen" rät Werner Franzer. Oft ärgert man sich zum Beispiel über alltägliche Gebrauchsgegenstände oder Platzmangel im Abstellkeller. Mit dem Gedanken "hier muss etwas verbessert werden" wird dann eine neue Erfindung geboren.

So war es auch bei der Entwicklung der Thermobox für Babyflaschen vom Werner Franzer: Auf ihren Spaziergängen ärgerte sich immer die Mutter der kleinen Miriam Eisenhofer immer über die unkomfortablen Isolierbehälter aus Styropor und Plastik mit Reißverschluss. Sie halten den Tee zwar warm, aber zum Transport muss der Nuckel abgeschraubt werden, das Fläschchen wird undicht. Mit der neuen Thermobox kann das nicht mehr passieren, denn in dieser Box wird das Fläschchen einsatzbereit samt Nuckel aufbewahrt. Auch während des Trinkens kann die Babyflasche im Behälter bleiben, ohne dass sie herausfällt: Eine ideale Isolierung ohne störenden Deckel und lästiges Umschrauben.

Drei Jahre hat es gedauert, bis sich die Thermoboxidee zum marktreifen Produkt entwickelt hatte. Manche Erfindungen entstammen einer "Schnapsidee" – zum Beispiel der Zwei-Finger-Handschuh für die ganz besondere Victory-Geste – andere führen zu wissenschaftlichem, medizinischen Fortschritt. Zusammen mit einem Arzt hat Dr. Friedhelm Limbeck, Vorsitzender des INSTI-Erfinderclubs IG Eifel, eine Alternative zu herkömmlichen Silikontransplantaten entwickelt.

Das Material wird von körpereigenem Gewebe durchwachsen und kann daher vielseitig bei Operationen verwendet werden. Neben "alten Hasen" stellten auch Jungerfinder ihr kreatives Potenzial unter Beweis. Lustige "Happi"-Gesichter stammen aus der Hand von Daniel Kohns, einem Frisör aus Boppard. Mit den bunten Zeichenfiguren hat er eine eigene Wort-Bild-Marke entwickelt. Michael Kempf stellte einige Projekte des Jugenderfinderclubs Ikarus aus Landau in der Pfalz vor: Sehr praktisch sind die essbaren Löffel aus Mürbeteig mit leckerer Schokoglasur. Nach dem Essen gibt es statt lästigen Abwasch einen süßen Nachtisch. Umweltfreundlich ist auch ein neuer Kunststoffkleber. Er wird aus Orangenschalen, die als Abfallprodukt in großen Mengen anfallen, gewonnen. Der einzige Jugenderfinderclub in Rheinland-Pfalz versucht durch Workshops die kreativen Ideen der Jugendlichen zu fördern. "Jugendliche werden oftmals nicht richtig ernst genommen", bedauert Michael Kempf. "Aber um eine Vision zu verwirklichen, braucht jeder Erfinder viel Motivation und Ausdauer." Der Jugenderfinderclub leistet dabei Hilfestellung, erleichtert zum Beispiel Kontakte zu Unternehmen.

Der Weg von der Idee bis hin zum marktfähigen Produkt ist weit und holprig. Nachdem der Erfinder seine Gedanken schriftlich festgehalten hat, steht eine Recherche beim Patentamt an. Entscheidend ist die Frage: "Gibt es meine Idee schon irgendwo?" Anschließend wird ein Prototyp gebaut. Wenn die Erfindung absolut neu und gewerblich nutzbar ist, kann sie schließlich als Patent angemeldet werden. Aber ein Geistesblitz und ein Patent reichen nicht aus. "Oft fehlen den Erfindern kaufmännische Kenntnisse", stellt Hagen Suchard, Geschäftsführer des Regionalrats Wirtschaft Rhein-Hunsrück, fest. "Wir helfen, etwa durch Existenzgründerberatungen oder öffentliche Förderungen." Es ist schwer, eine interessierte Firma für die Markteinführung einer neuen Erfindung zu finden. "Neunzig Prozent aller angemeldeten Erfindungen kommen nicht auf den Markt", beschreibt Erfinder Hans Wilke das Problem.

Veranstaltungen wie die Erfinderparty in Bad Salzig sind gerade aus diesem Grund besonders wichtig, da sie Erfinder und Unternehmer zusammenbringen. Gestärkt durch ein fantastisches Abendessen – für Wildschwein und Wachteln hatte der Böllerverein Boppard gesorgt, saßen viele Gäste noch bis in die frühen Morgenstunden zusammen.

"Derartige Veranstaltungen erhöhen die Transparenz in der Region und bringen Einzelkämpfer zusammen", lobte Suchard. Er kann sich gut vorstellen, dass die Wirtschaftsförderung Rhein-Hunsrück derartige Veranstaltungen in Zukunft maßgeblich unterstützen wird.